TRIBAL
"Vielfalt ist wichtig und zwar überall, sonst wird es schnell langweilig."
(Interview mit Greg, Februar 2010)

Hallo Greg
Vielen Dank! Wir freuen uns sehr, dass euch das Album so gut gefallen hat. Als Künstler ist es immer sehr schwierig seine eigene Arbeit einzuschätzen. Umso schöner ist es dann, wenn man die Bestätigung bekommt, dass man Qualität abgeliefert hat.
Greg, bevor wir uns dem neuen Album widmen, erzähle uns doch bitte zuerst einmal, wer TRIBAL genau sind und wie lange es die Band schon gibt.
Die Band existiert in dieser Form seit Herbst 2004. Das Line-Up setzt sich aus Gitarrist Mark, Basser Üse, Felldrescher Andy und meiner Wenigkeit zusammen. Wir sind seit jeher die gleichen Leute. Die Chemie zwischen uns stimmt einfach, obwohl, oder gerade weil wir vier sehr unterschiedliche Charaktere sind.
Euer Erstlingswerk "Cardboard Heroes" erschien 2005, eure aktuelle Scheibe im September 2009. Was habt Ihr in den dazwischen liegenden 4 Jahren so getrieben?
Wir haben zwar sehr schnell nach „Cardboard
Heroes“ angefangen neues Material zu schreiben. Drei Mal haben haben wir mit
Aufnahmen begonnen. Doch die Ergebnisse waren uns einfach nicht gut genug. Das
Nachfolgewerk sollte schliesslich besser werden als das Debüt. Also liessen wir
die Songs reifen.
Durch unseren guten Freund Jüge „Scotch“ Theiler (Ex-Me and the Rest) wurden wir
Ende 2008 auf Produzent Rolf Munkes aufmerksam. Und nachdem wir ihn in seinem
Studio besucht hatten, war für uns klar: Er ist der Richtige! Und so war es
dann auch.
Die Band-Bio beschreibt Dich als Menschen mit schwarzem, teils auch makabrem Humor. Satire und Melancholie werden im selben Atemzug genannt, zudem wirst Du als hoffnungsloser Romantiker beschrieben. Das klingt zwar nach einem interessanten Menschen, andererseits vermittelt es den Eindruck, dass es vielleicht nicht ganz einfach ist, mit Dir zusammen zu arbeiten (auf die Band bezogen). Zutreffend oder weit daneben?
Haha...ich bin sicher ein Mensch
mit vielen Gegensätzen. Aber auch jemand, der Menschen verbinden kann. Es gibt
nur zwei Dinge gegen die ich allergisch bin: Arroganz und Ignoranz. Ansonsten
bin ich echt umgänglich.
Die anderen drei stehen mir in diesen Punkten nicht nach. Auch wenn jeder, wie
eingangs erwähnt, wieder ein ganz anderer Charakter ist. Ausserdem sind wir vier
Leute, die miteinander sprechen. Etwas was in den heutigen Zeiten leider nicht
mehr allzu verbreitet ist.
Und wegen dem schwarzen Humor....wie kann man in solch zynischen Zeiten ohne den
überleben?
TRIBAL stammen aus Winterthur. Beim Stichwort Winterthur denke ich in erster Linie an die seligen China. Woran denkst du in musikalischer Hinsicht beim Stichwort "Winterthur" und wo treibst Du Dich in Winterthur am ehesten rum? Irgendwelche empfehlenswerte Locations?
Kleine Korrektur: Tribal kommen aus
dem Grossraum Zürich. Verteilt über Kloten (Andy), Greifensee (Mark), Stäfa (Üse)
und eben Winterthur (meiner einer).
In musikalischer Hinsicht, denke ich beim Stichwort Winterthur an grosse
Vielfalt. China sind sicher eine tolle Band, doch diese Stadt hat einen sehr
grossen Fundus an guten Musikern und Bands. Auch und gerade im Rock- und
Metalbereich.
Wenn's um Konzerte geht ist sicher das Salzhaus eine gute Adresse. Auch das
Gaswerk und der Albani Music Club sind hier zu nennen. Rockige Bars gibt's
leider praktisch keine mehr ausser das Renegade. Als Liebhaber von English Cider
nehme ich gerne ab und zu im Paddy's Platz. Discos meide ich ehrlich
gesagt...haha...da gehe ich schon lieber in gemütliche Cafés. Kaffee ist neben
Musik und Nikotin meine Hauptdroge...

Meiner Ansicht nach habt Ihr Euch einen genialen Bandnamen ausgesucht. Das Wort "Tribal" kennt jeder (zumindest jeder, der schon mal was von Tattoos gehört hat) und trotzdem lässt sich daraus keine musikalische Stilrichtung festlegen, was Euch glücklicherweise in keine Schiene drücken lasst. Hand aufs Herz: Wie seid Ihr auf diesen Bandnamen gekommen? Spontane Idee oder stecken da tiefgründige Überlegungen dahinter?
Es ist gut wenn man nicht einfach
in eine Schublade gesteckt werden kann.
2001 hatten Mark und ich ein Demo unter dem Namen „The Tribe“ aufgenommen. Einer
der Songs (Final Illusion) hat es übrigens sogar auf „Cardboard Heroes“
geschafft.
Als wir uns dann einige Jahre später wieder trafen, fanden wir das „The Tribe“
einfach zu wenig Rasse hat, obwohl er durchaus passend war, da wir als Band eine
Art „Stamm“ sind. Im Sinne von gemeinsamen Idealen. Der Name „Tribal“ kam dann
sehr schnell ins Spiel. Wir deuten das Wort als „Stammeszeichen“ und dieses
Zeichen ist unsichtbar auf unsere Herzen tätowiert.
Ihr klingt teilweise nach Rock, teilweise nach Metal, manchmal aber auch einfach melancholisch und atmosphärisch. Wie wichtig ist Euch diese Stilvielfalt?
Vielfalt ist wichtig und zwar überall, sonst wird es schnell langweilig. Es ist aber nicht so, dass wir jetzt auf Teufel komm raus möglichst unterschiedliche Songs machen wollen. Das geschieht automatisch, da wir alle einen breitgefächerten Musikgeschmack haben. Wenn wir eine Songidee gut finden setzen wir sie einfach um. Ohne Wenn und Aber.
Wenn Du Dir selbst CD's kaufst... Auf was legst Du mehr wert: Auf eine abwechslungsreiche Scheibe oder das eine Band keine Experimente eingeht?
Ich mag es, wenn eine Band ihre Kreativität auslebt und vielschichtige Songs schreibt. Ich liebe es, wenn ich auch nach mehreren Durchgängen noch etwas Neues entdecke. Zu kompliziert sollte es aber nicht sein. Man kann ein Album auch überfrachten.
Beim googlen nach
CD-Kritiken zu Eurer neuen Scheibe bin ich auf ein paar Aussagen gestossen, die
ich Dir jetzt gerne vorsetzen möchte - natürlich mit einem kleinen Kommentar von
dir, was Dir spontan dazu einfällt:
""Corner Of A Circle" ist in der Tat ein gefühlsbetontes Werk ohne richtige
Abgehnummer, aber die würde auch gar nicht zum Album passen." (Metal.de)
Nun, dieses Review war sehr interessant und verdammt gut, der Mann hat sich Zeit genommen. Persönlich würde ich einen Song wie „Take Me Away“ durchaus als Abgehnummer bezeichnen, doch das ist rein subjektiv.
"Die Produktion könnte noch ein bisschen druckvoller sein. Sänger Greg Bailey klingt auf Dauer angestrengt, seine Stimme wirkt dünn und ungefärbt." (music.ch)
Tja...der Mann mag meine Stimme einfach nicht. Das hat er schon beim Review zu „Cardboard Heroes“ deutlich gemacht. Aber meine Stimmbänder kann ich schwerlich auswechseln...nichts gebe ich nicht auf und er wird auch ein drittes Album bekommen, wenn es soweit sein sollte...haha
"Man würde eher jemanden von der grossen Insel neben Frankreich vermuten. ;) (Leserkommentar von "Dr. Rock"" / cede.ch)
Der Mann (oder die Frau) hat ohne Zweifel ein feines Ohr!
"Der erste Song erinnert mich gesanglich etwas an die Danzig / The Cult Schiene und hat mich eigentlich recht schnell überzeugt." (sleaze-metal.com)
Die vielen Vergleiche ehren mich immer wieder, wobei ich mir Glenn Danzig erstmal anhören musste. Hatte nämlich noch nie bewusst Songs von ihm gehört. Oft sind auch die Namen Keith Caputo und Pete Steele(!) gefallen. Wirklich lustig, und irgendwie auch sehr schmeichelhaft.
Wie oft sucht man als Musiker eigentlich nach Veröffentlichung einer Scheibe im Internet nach neuen Kritiken? :-) Und wie nahe geht einem unqualifizierte Kritik?
Mich persönlich interessiert das
schon ziemlich, da Kritiken gerade im Newcomerbereich ziemlichen Einfluss auf
das Hörerinteresse haben. Schliesslich verfügen wir nicht über solch chice
Frisuren wie „Tokio Hotel“. ;)
Mit unqualifizierten bzw. schlechten Kritiken muss man leben. Man kann es
schliesslich nicht allen recht machen. Nahe geht es einem eigentlich nur dann,
wenn man herauslesen kann, dass sich der Schreiber die CD nicht richtig angehört
hat und somit seinen Beruf nicht ernst nimmt. Wenn jemand zum Beispiel nach
Track 6 (Corner Of A Circle) keinen rockigen Song mehr gehört haben will, dann
kommt man schon ins Grübeln.
Aber der Löwenanteil der Reviews war sehr gut. Von dem her können wir uns nicht
beklagen.
Was war das schönste, was Du über Eure neue Scheibe "Corner Of A Circle" gehört/gelesen hast? Und was war das schlimmste?
Dass die Platte mit jeden Durchgang
zu wachsen scheint. Diese Aussage kam einige Male. Ein grösseres Kompliment kann
man einer Band kaum machen. OK, in einer Kritik war von einem „Geniestreich“ die
Rede. Das war für mein Herz fast schon zuviel.
Die Seelischen Grausamkeiten hielten sich in Grenzen. Einer meinte wir machen
langweilige, depressive Rockmusik.... Er hat's halt nicht gemocht. Punkt.

Illegale Downloads sind leider immer noch ein grosses Thema - und statt eines Umdenkens scheint es, als ob das Problem immer noch grösser und grösser wird. Wie denkst Du persönlich über dieses Thema?
Auf der einen Seite kann ich Leute
verstehen, die nicht bereit sind ein Album zu kaufen, wenn nur ein oder zwei
Song gut sind. Davon gibt leider gerade im Mainstreambereich relativ viele
Beispiele. Die vielen grottigen Castingshows tragen auch nicht unbedingt im
Positiven dazu bei, den Stellenwert der Musik zu erhöhen.
Auf der anderen Seite ist es erschreckend mit welcher Selbstverständlichkeit man
annimmt Musik müsse kostenlos sein. Das heisst nicht anderes als „die Arbeit der
Musiker ist nichts wert“.
Das ist schon traurig! Zum Glück gibt es aber auch Menschen die anders denken
und gute Musik wirklich zu schätzen wissen.
Wir denken, dass die Nähe zum Publikum, die Möglichkeit zur Identifikation mit
der Musik, der richtige Weg ist, dieser misslichen Lage entgegenzuwirken. Und
das versuchen wir Umzusetzen.
Der Trend geht ja leider dahin, das man sich einzelne Songs online kauft und nicht mehr ein ganzes Album. In dieser Hinsicht schmeisse ich Euch mal in einen Topf mit Queensryche und Marillion, wo ein Album als "Ganzes" betrachtet werden sollte und man nicht einfach so einen Songs herauspicken kann/sollte. Wenn Du aber nun doch jemandem mit EINEM Song die Vorzüge von Tribal zeigen willst. Welcher Song vom aktuellen Album wäre das?
Beide Bands haben Rockgeschichte
geschrieben, da sind wir gerne im selben Topf. Danke! Die Frage ist jetzt aber
sehr schwierig. Da unser Album ja „Songs zwischen Wut und Zerbrechlichkeit“
beinhaltet, müssten eigentlich zwei Titel genannt werden.
Aber da Du mir augenscheinlich keine Wahl lässt (lach), sage ich mal „Jump Off
The Bridge“. Melodiös, melancholisch, traurig und gleichzeitig voller Wut und
Energie.
Ach ja, bevor sich jemand von der Brücke stürzt: Der Song handelt davon eben
jenes nicht zu tun, sondern wieder anzufangen das Leben in die Hand zu nehmen!
;)
Die Printmedien wettern über die unzähligen Online-Magazine, während die Printmedien von den Online-Magazinen oft als arrogant betrachtet werden. Wie wichtig sind Online-Magazine für Euch? Und wo siehst Du bei beiden die Vor- und Nachteile? (aus Sicht der Band)
Sie sind sehr wichtig! Gerade für
Bands, die (noch) nicht etabliert sind und in vielen gedruckten Medien, gar
nicht oder nur als Randnotiz erscheinen. In der Schweiz gilt das sogar für alle,
da es kaum inländische Printmagazine gibt und noch weniger gute. ;)
Natürlich haben Hefte wie das Rock Hard, der Metal Hammer und andere grossen
Einfluss und sind Qualitätsmässig sicher sehr gut, doch die Webmagazine holen
gewaltig auf. Und mittlerweile zeugt so manche Online-Artikel von sehr grossem
Fachwissen und (extrem wichtig) viel Herzblut.
Allein die bisherigen Interviewfragen beweisen das aufs Neue.
Wie hilfreich sind eigentlich Seiten wie Twitter, Facebook und Myspace für eine Band wie TRIBAL?
Facebook und Myspace sind gute
Tools um auf sich aufmerksam zu machen und werden bereits von uns ausgiebig
genutzt. Zudem kann man als Band wiederum grössere Fannähe schaffen, wenn man
denn will. Auch für den Musikliebhaber ist es sehr praktisch, so kann er Bands
und Interpreten entdecken, von deren Existenz er sonst nie erfahren hätte.
Mit Twitter haben wir uns bisher nicht beschäftigt.
Zum Abschluss
noch ein kleines "Spiel", welches wir ab und zu bei Interviews machen. Ich nenne
Dir ein Stichwort und du sagst, was Dir spontan dazu einfällt:
Barack Obama
Ein Mann der gutes im Sinn hat, aber vermutlich am Umsetzen seiner Pläne gehindert werden wird. Leider!
Guns'n Roses
Im Falle von Axl Rose: Genie und Wahnsinn! Ausserdem ist November Rain wohl einer der besten Songs, aller Zeiten.
Tiger Woods
Alice Cooper hat ein Handicap von 3. ;)
Politik
Das Gegenteil von Ehrlichkeit! (Und deshalb eine unerschöpfliche Quelle für Songtexte)
Gotthard (die Band)
Mountain Mama!
Sex, Drugs & Rock'n Roll
Vom Ersten viel, vom Zweiten lieber etwas weniger, vom Dritten gerne mehr. ;)
Avatar (der Film)
Lieber ein paar alte Roger Corman-Filme...;)
Winter
Wo geht's nach Süden?
So, damit wären wir schon am Ende dieses Interviews angelangt. Vielen Dank, das Du Dir die Zeit genommen hast und weiterhin viel Erfolg mit TRIBAL!
Ich bedanke mich für die interessanten Fragen!
(Interview by Ralph)
Questions/Thoughts? (or whatever):